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- Tanzen an der LMG –
Ein Interview mit Herrn Rißmann

Seit wann tanzen Schülerinnen und Schüler an der LMG?
Seit Oktober 2010. Damals wurde ich – zusammen mit Frau Humaljoki – Klassenlehrer einer 7. Klasse. Zuerst waren es 11 unserer Schülerinnen und Schüler, die am Freitag in der letzten Stunde getanzt haben; nach einigen Monaten schließlich die ganze Klasse.

Wie haben sie die anderen Schülerinnen und Schüler denn überredet, auch zu tanzen?
Überredet ist das falsche Wort. Sie mussten sich aussuchen, ob sie tanzen wollen oder eine Stunde Grammatik machen. Und die, die Grammatik gemacht haben, haben gehört, dass die anderen im Nachbarraum viel Spaß hatten und gelacht haben. Da sind sie nach und nach gekommen und wollten auch mitmachen. Grammatik ist ein bisschen langweiliger als Tanzen… (lacht).

Welche Tänze haben Sie denn mit den Schülerinnen und Schülern getanzt?
Wir haben zwei der so genannten Standard- und Latein-Tänze geübt: langsamer Walzer und Cha-Cha-Cha. Die kann man recht schnell lernen. Es sind Paartänze, das heißt, ein Junge tanzt mit einem Mädchen.
Nach einem halben Jahr konnten alle Schülerinnen und Schüler unserer Klasse die beiden Tänze schon richtig gut. Dann haben wir anderen Klassen im Sportunterricht gezeigt, wie man das tanzt. Das war sehr interessant, denn plötzlich waren sie die Tanzlehrerinnen und Tanzlehrer. Und sie haben es richtig gut gemacht. Fragt mal Herrn Krüger und Frau Bauschke, die Sportlehrer, wie das war. Ich lerne auch dazu und habe mir von meinen Schülerinnen und Schülern ein bisschen von den arabisch-türkischen Volkstänzen Dabke und Halay zeigen lassen.

Haben Sie das Tanzen alleine unterrichtet?
Anfangs ja. Aber dann waren es vier Klassen – ein ganzer Jahrgang – die einmal in der Woche eine Stunde getanzt haben. Da hat die Schulleitung eine richtige Tanzlehrerin eingestellt. Ich bin ja kein Profi-Tänzer und sie konnte es viel besser erklären und zeigen.

Werden an der LMG nur Standard- und Latein-Tänze unterrichtet?
Nicht nur. Wir haben als Schule dann auch mit ‚Tanzzeit‘ zusammengearbeitet. Das ist eine Gruppe von Tänzerinnen und Tänzern, die in Berliner Schulen modernen Tanz unterrichten. Das war auch für mich ganz neu. Es sind ganz andere Bewegungen als im Paartanz und es hat sehr viel mit Individualität zu tun. Da gab es auch Aufführungen vor Publikum außerhalb der Schule, die ein großer Erfolg waren.
Zurzeit arbeite ich mit Leanna zusammen. Sie unterrichtet LindyHop und Charleston an unserer Schule … das sind Tänze, die voller Energie und oft sehr schnell sind und die man zu Swing-Musik tanzt. Es gibt sogar ein Video auf Youtube, auf dem Schülerinnen und Schüler zu sehen sind, die ihre Choreografie vor dem Brandenburger Tor getanzt haben.

Wie viele Schülerinnen und Schüler tanzen an der LMG?
Das Tanzen ist neben dem Lina-TV ein kultureller Schwerpunkt an unserer Schule. Das haben die Lehrerinnen und Lehrer auf der Gesamtkonferenz so beschlossen. Und das bedeutet, dass Tanzen ein Unterrichtsfach bei uns ist wie Mathematik oder Biologie. Zurzeit tanzen der gesamte 7. und 8. Jahrgang … das sind acht Klassen, also etwa 200 Mädchen und Jungen.

Wird der Tanzunterricht auch zensiert?
Ja, das wird er. Die Tanzstunde ist nämlich eine der drei Sportstunden. Also ist die Tanznote auch ein Drittel der Sportnote. Übrigens: wer sich Mühe im Tanzunterricht gibt, kann gar keine Vier oder Fünf bekommen. Allerdings muss man sich auch immer respektvoll benehmen. Wer andere nicht akzeptiert oder beleidigt, wird suspendiert und darf erst wieder mitmachen, wenn er verspricht, sein Verhalten in Zukunft zu ändern. Es kommt aber nur selten vor, dass jemand suspendiert werden muss. Die meisten Schüler ertanzen sich eine sehr gute oder gute Note.

Warum ist es Ihnen wichtig, dass an der LMG getanzt wird?
Also erst einmal hat Tanz etwas mit Bewegung zu tun. Als Schüler sitzt man doch fast den ganzen Tag im Unterricht, da ist Tanzen eine prima Möglichkeit, aktiv zu sein … und das noch mit Musik.
Außerdem kann man beim Tanzen lernen, sich auf eine Sache zu konzentrieren und nicht aufzugeben, wenn etwas einmal nicht gleich klappt, sondern es noch einmal zu versuchen.
Und drittens: Tanzen bedeutet, den Mut zu haben, auf jemanden anderen zuzugehen und ihn zu berühren. Wir sind ja eine Schule, an der ganz unterschiedliche Schülerinnen und Schüler zusammen lernen – mit verschiedenen Muttersprachen, Religionen, Fähigkeiten und Vorstellungen. Um friedlich miteinander umgehen zu können, ist es wichtig, dass wir uns trotz unserer Unterschiede akzeptieren. Und es ist ein Zeichen von Akzeptanz und Anerkennung, sich respektvoll anzu-fassen und miteinander zu tanzen. Das braucht Zeit, aber man kann es lernen.